Das kritische Tagebuch

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Neustes Beispiel: Die Wahl des Bundespräsidenten. Wird Gerhard Trabert instrumentalisiert?

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Vom Geist der Zeit

Zum Unwort des Jahres 2021

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Über das Reden von Gott wider alle Vernunft

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Nachrichten. Kultur – Politik – Wissenschaft

Gedenktage im Januar

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Gegen das Anhängselsyndrom

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Übernahmen von „Trommeln im Elfenbeinturm“: Klaus Philipp Mertens, Erich Kästner, Josef Reding, Gerd Kehrer, Lutz Büge, Peter Rühmkorf, Friedrich…

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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

Ernst Hilmer

Das PRO LESEN-Schwerpunktthema im Januar 2022

Eva Menasses brillanter Roman „Dunkelblum“

 

Auf den ersten Blick ist Dunkelblum eine Kleinstadt wie jede andere. Doch hinter der Fassade der österreichischen Gemeinde verbirgt sich die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens. Ihr Wissen um das Ereignis verbindet die älteren Dunkelblumer seit Jahrzehnten – genauso wie ihr Schweigen über Tat und Täter. In den Spätsommertagen des Jahres 1989, während hinter der nahegelegenen Grenze zu Ungarn bereits Hunderte DDR-Flüchtlinge warten, trifft ein rätselhafter Besucher in der Stadt ein. Da geraten die Dinge plötzlich in Bewegung: Auf einer Wiese am Stadtrand wird ein Skelett ausgegraben und eine junge Frau verschwindet. Wie in einem Spuk tauchen Spuren des alten Verbrechens auf – und konfrontieren die Dunkelblumer mit einer Vergangenheit, die sie längst für erledigt hielten. In ihrem neuen Roman entwirft Eva Menasse den Mikrokosmos einer kleinen Stadt, wo sich einmal Weltpolitik exemplarisch ereignete, und erzählt vom Umgang der Bewohner mit einer historischen Schuld. »Dunkelblum« ist ein schaurig-komisches Epos über die Wunden in der Landschaft und den Seelen der Menschen, die, anders als die Erinnerung, nicht vergehen.

 

Wegen des exponentiellen Anstiegs der SARS-CoV-2-Infektionen, insbesondere der Omikron-Variante, hat die Stadtbücherei Frankfurt am Main sämtliche Präsenzveranstaltungen in ihren Räumen bis einschließlich April 2022 abgesagt. Der Förderverein PRO LESEN präsentiert deswegen die geplanten Lesungen lediglich als Dokumentationen. Sowohl in der "BRÜCKE unter dem MAIN" als auch im Literaturnewsletter "Literatur & Kultur", der als PDF an alle Interessierten kostenlos versandt wird.

 

Auf ein Wort

Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich nur klar sagen.

 Ohne zu schwafeln, ohne zu gendern

 

 

Wo Literatur an ihrer Einfältigkeit gemessen wird
Über Bestenlisten

 

Bestenlisten in der Literatur scheinen von denen erfunden worden zu sein, die es nicht gut mit dem literarischen Schrifttum meinen. Wobei in diesen Auswahlen dennoch regelmäßig Titel auftauchen, die dem ungeschulten Geschmack der Preisrichter durch die Finger geflutscht sind. So befinden sich unter den 20 Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2021 zwei Titel, die des Lesens wert sind.
Georges-Arthur Goldschmid: „Der Versperrte Weg“ und Gert Loschütz: „Besichtigung eines Unglücks“
 

Vier weitere Bücher können noch als Beispiele für gehobene Unterhaltung durchgehen. Etwa Henning Ahrens‘ „Mitgift“, Norbert Gstreins „Der zweite Jakob“, Monika Helfers „Vati“ oder Ferdinand Schmalz‘ „Mein Lieblingstier heißt Winter“.
 

Der Zuerkennung des Deutschen Buchpreises an Antje Rávik Strubel für ihren Roman „Blaue Frau“ wohnt sogar eine mutmaßlich unbeabsichtigte Selbstironie des Gremiums inne. Denn es hat den Anschein, dass sich die geneigte Jury von der folgenden Passage besonders beeindruckt zeigte, weil sie ihr einen Hauch von Weltliteratur vermittelt haben könnte, den sie voreilig auf das gesamte Buch übertrug:

„Und die Männer werden ahnen, wen sie vor sich haben. Ihre Hände in den Handschellen werden anfangen zu zittern. Und die Geschworenen erheben sich. Der Saal wird verstummen, wenn die Geschworenen rufen: Welchen sollen wir töten? Es wird still werden vor Gericht, wenn man fragt, wer wohl sterben muss. Und sie wird sagen: alle.“
Ja, das ist eine nur oberflächlich getarnte Stelle von Brechts „Lied der Seeräuber-Jenny“ aus der „Dreigroschenoper“; selbstverständlich ohne Hinweis auf den Urheber. Doch die Autorin vermag den auf Seite 14 markant herausgestellten eigenen literarischen Anspruch nicht durchhalten. Die restlichen 400 Seiten greifen in banaler Weise ein Thema auf, das eine angemessene künstlerische Bearbeitung verdient hätte, nämlich der sexuelle Missbrauch von Frauen.
 

Der zwar nominierte, aber nicht ausgezeichnete Gert Loschütz erhielt für seinen Roman den renommierten „Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2021“, der von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestiftet wird. Auch zwei andere Neuerscheinungen des Frühjahrs bzw. Sommers, die von vielen Feuilletons hoch gelobt wurden, fehlten auf der Liste. Nämlich Eva Manesses „Dunkelblum“ und Alois Hotschnigs „Der Silberfuchs meiner Mutter“.
 

Der „Deutsche Buchpreis“ wird vom Börsenverein des deutschen Buchhandels gestiftet, also dem Wirtschaftsverband der Verlage und Buchhandlungen. Folglich versteht er sich als Marketingaktion, die vorrangig den Buchabsatz fördern will. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber man sollte solche PR-Maßnahmen nicht bewusst missverständlich etikettieren und unterschwellig an den weniger gut informierten Leser appellieren.
Ähnlich verhält es sich mit anderen Bestenlisten, die von den Produzenten dieses Genres betrieben werden; ich denke an beispielsweise an die in engen zeitlichen Abständen publizierten Krimi-Bestenlisten.
Der Literatur wäre mehr gedient, wenn es mehr gekonnte Rezensionen über lesenswerte Bücher gäbe. Dadurch würden auch andere, weniger bekannte Verlage zum Zuge kommen.
 

Bleiben Sie kritisch.
Ihr Klaus Philipp Mertens

 

Falls Sie mir schreiben möchten, richten Sie Ihre E-Mail bitte an post@bruecke-unter-dem-main.de