Die Frankfurter Kulturdezernentin ist für einsame Entschlüsse bekannt. Als sie noch Literaturredakteurin der FR war, schloss sie sich in ihrem Büro ein und war für die Redaktion nur schwer erreichbar. Ihr Verhalten war ein Dauerthema in sämtlichen Frankfurter Medien.
Als Kulturdezernentin träumt sie publikumswirksam von einer Kulturmeile, an der sich Museen, Schauspielhaus und Oper aneinanderreihen. Nachdem die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich für einen Neubau von Schauspielhaus und Oper votierte, präsentierte Frau Hartwig bunte Entwürfe der künftigen Stätten. Da sie mit dem Steuergeld der Bürger großzügig umgeht, wurden bereits in der Planungsphase sämtliche Alternativen, insbesondere die Sanierung der erst 60 Jahre jungen Häuser, verworfen. Die Kosten wurden mit ca. 1,3 Milliarden Euro veranschlagt. Woher das Geld kommen soll, ist ungewiss. Die veröffentlichten Haushalte weisen eine solche Summe nicht aus. Das Land Hessen wird definitiv nichts beisteuern. Derzeit muss in der vermeintlichen Bauruine „Theaterdoppelanlage“ kostenintensiv repariert werden. Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein.
Jetzt hat die Dezernentin alle überrascht mit einem Netz, das über einen Teil der Konstablerwache gespannt ist. Und das dem Vernehmen nach fast zwei Millionen Euro kostet. Dieses im Wind flatternde Kunstobjekt wurde ohne Ausschreibung in Auftrag gegeben. Man darf darüber spekulieren, ob dem öden Platz nicht die Beseitigung der Platten und die Anpflanzung von Rasen, Sträuchern und Bäumen besser genützt hätte. Doch Frau Hartwig duldet keine Zweifel an ihrem ungeschulten Kunstgeschmack.
Hierzu passt, dass Einrichtungen des Kulturdezernats wie das Literaturhaus mit Abonnenten und Interessierten nicht auf Hochdeutsch kommunizieren. Frauen werden grundsätzlich auf ein Anhängsel reduziert (*in / *innen). Der völkische Feminismus favorisiert diese Ansprache. Aber seine Quellen datieren aus düsterster Zeit („Frauen – Mütter im Vaterland“). Ebenso bereitet der korrekte Gebrauch des Partizip Präsens offensichtlich Probleme. Es ist ein gravierender Unterschied, ob man von zeitlich begrenzten Mitarbeitenden oder von der festen Gruppe der Mitarbeiter spricht. Aber Kultur und Literatur sowie der Gebrauch der deutschen Sprache scheinen im Kulturdezernat Nebensachen zu sein.
Klaus Philipp Mertens

