Wohlmeinende Rezensenten zählen Monika Maron zu den wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Doch es gibt gute Gründe, solchen Einschätzungen zu widersprechen. Denn ihre kreativen Fähigkeiten sind begrenzt. Ihre Sprache entbehrt jener künstlerischen Vielfalt, die man von Dichtern erwartet. Die Diktion leidet unter einem zu geringen Wortschatz und wirkt häufig deklamatorisch. Die Kunst der verstehenden Beobachtung gesellschaftlicher Vorgänge und deren literarische Umsetzung wirkt unbeholfen. Hingegen ist ihre Bereitschaft groß, populistischen Volksverführern wie der AfD das Wort zu reden. Bei der nunmehr 85-Jährigen sucht man vergeblich nach Spuren von Altersweisheit.
In ihrem ersten Buch „Flugasche“ kritisierte sie zu Recht die Umweltzerstörung in der Chemieregion Bitterfeld. Doch schon damals war ihre Perspektive begrenzt. Der Uranerzabbau im sächsischen Elbsandsteingebirge und in Thüringen, betrieben von der deutsch-sowjetischen „Wismut AG“, schien ihr der Erwähnung nicht wert zu sein. Dabei forderte er mindestens 6.000 an Silikose und Strahlenschäden, letztlich an Krebs erkrankte Bergleute, von denen der größte Teil früh starb. Hinzu kamen Hunderte schwerer Arbeitsunfälle wegen veralteter und unzureichender Abbautechnik. Unter dem Schlagwort „Pechblende“ versuchten Ost-Berliner Umweltaktivisten von den frühen 1980er-Jahren bis zur Wende auf diese skandalösen Vorgänge aufmerksam zu machen. Dabei fanden sie Unterstützung in der evangelischen Berliner Zionskirchengemeinde, wo eine Umweltbibliothek entstand. Es hatte den Anschein, dass Monika Maron diese Umweltschützer zu links und als Christen zu unabhängig waren.
Marons Lesungen in dem Dresdner „Kulturhaus Loschwitz“ der rechten Buchhändlerin Susanne Dagen kann man nicht als temporären Irrtum zu den Akten legen. In diesem Zentrum völkischer Ideologie verkehren bis heute der rechte Verleger Götz Kubitschek (Antaios Verlag, Institut für Staatspolitik, Zeitschrift „Sezession“), der rassistische Ideologe Martin Sellner („Identitäre Bewegung“), die rechtsaußen agitierenden Publizisten Vera Lengsfeld, Cora Stephan und Matthias Mattussek sowie der endgültig im rechten Milieu angekommene Uwe Tellkamp. In diesen Niederungen entstand auch die „Charta 77“, in der sich Neue Rechte als Opfer der bundesrepublikanischen Kulturpolitik darstellten. Susanne Dagen ist Mitglied des Dresdner Stadtrats, wo sie nominell den Freien Wählern angehört, aber tatsächlich in die AfD-Fraktion integriert ist. Der S. Fischer Verlag hat zwar spät, aber richtig reagiert, als er Monika Maron vor die Tür setzte. Ob der Hoffmann & Campe Verlag mit dieser Autorin glücklich wird, sei dahingestellt.
Dem Parteiensystem der Bundesrepublik unterstellt Frau Maron eine Dysfunktionalität. Dabei zählt sie die typischen Kampfbegriffe auf, die von Populisten ständig artikuliert werden: Wirtschaftskrise, Energiekrise, Migrationskrise, überbordende Demokratie. Eine Analyse dieser Schlagworte liefert sie nicht. Denn dann müsste sie offenbaren, dass die Schlüsselindustrie zu lange auf fossile Energieträger gesetzt hat, dass ihr kaum noch überzeugende Produktideen einfallen, dass sie den Zukunftstechnologien Sonne und Wind selbst Hürden in den Weg stellt (etwa durch die derzeitige Wirtschaftsministerin). Sie lässt auch unerwähnt, dass eine Digitalisierung von Produktions- und Verwaltungsprozessen nicht möglich sein wird, solange die Deutschkenntnisse der Schüler und Studenten, also in einem zentralen Fach, von Jahr zu Jahr miserabler werden. Denn alles was überhaupt ausgesagt (beschrieben) werden muss (in der Wissenschaft, in der Justiz, in der Technik, in der Politik, im Privaten), lässt sich nur klar sagen. Eine Gesellschaft aus *in und*innen ist dazu nicht in der Lage. Folglich ist Meinungsfreiheit nur dann möglich, wenn sich jede Meinung logisch begründen lässt (persönliche Einfärbungen eingeschlossen). Bauchgefühle und Vorurteile sind als Quellen unerlaubt, weil zu dürftig und nicht diskursfähig. Demokratie ist immer an Qualität gebunden, nicht an Quantität. 30 bis 40 Prozent Zustimmung für die AfD, die sich im Osten abzeichnet, legitimieren nicht zur politischen Herrschaft. Denn das wäre eine Umkehrung der Demokratie. Schließlich sehen 60 bis 70 Prozent die Dinge anders, trotz unterschiedlicher Akzente im Detail.
Der Schriftsteller Erik Reger, der im Krupp-Konzern die Realität der Wirtschaft und die Schicksale vieler Menschen erlebt hatte, notierte in seinem 1931 erschienenen Roman „Union der rechten Hand“: Schriftsteller müssen auf der Seite der Beherrschten stehen, nicht bei den Herrschern. Monika Maron hat diesen Appell nie zur Kenntnis genommen.
Klaus Philipp Mertens

