Das kritische Tagebuch

Eine Partei entlarvt sich im Koalitionsvertrag

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Die Kontroverse um einen Neubau von Frankfurter Schauspielhaus und Oper erhält neuen Auftrieb durch die Kritik des Hessischen Landesrechnungshofs an…

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Vom Geist der Zeit

Theaterbauten mit und ohne Zukunft: Bochum, Wien, Frankfurt am Main

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Über die Komplexität sprachlicher Bilder

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Buchtipps

Der Aufstand der Dekabristen von 1825 gegen Zar Nikolaj I

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Nachrichten. Kultur – Politik – Wissenschaft

Gedenktage im Dezember

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Gegen das Anhängselsyndrom

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Übernahmen von „Trommeln im Elfenbeinturm“: Klaus Philipp Mertens, Erich Kästner, Josef Reding, Gerd Kehrer, Lutz Büge, Peter Rühmkorf, Friedrich…

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Ehrenamtliches Engagement für Literatur in Frankfurt-Sachsenhausen auf Erfolgskurs

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„Wer bist DU*?"

Samstag, den 04. Dezember 2021 um 15:00 Uhr

 

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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

Ernst Hilmer

Das PRO LESEN-Schwerpunktthema im Dezember

Wilhelm-Raabe-Preisträger 2021: Gert Loschütz

 

Gert Loschütz wurde für seinen Roman „Besichtigung eines Unglücks“ im November mit dem von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestifteten Wilhelm-Raabe-Preis des Jahres 2021 ausgezeichnet.
 

Darin rekonstruiert er die Geschichte eines der schwersten Zugunglücke Deutschlands, das sich am 22. Dezember 1939 im Bahnhof seiner Heimatstadt Genthin in Sachsen-Anhalt ereignete. Damals tobte bereits der deutsche Angriff auf Polen und Hitlers Generäle bereiteten die nächsten Überfälle vor. Bei der überaus spannend beschriebenen Ursachenforschung kommt er seiner eigenen Lebensgeschichte nah. Denn in einem der Unglückszüge saß eine junge Frau namens Carla Finck, die schwer verletzt überlebte. Zwischen ihr und der Mutter des Erzählers, der sich Thomas Vandersee nennt, aber als Gert Loschütz unschwer erkennbar ist, scheint es eine Verbindung zu geben. So verknüpft der Autor sehr gekonnt die historischen Katastrophen Zweiter Weltkrieg und NS-Terror mit dem Schicksal normaler Menschen, die diese Weltgeschichte erleiden müssen.

 

 

Wegen des exponentiellen Anstiegs der SARS-CoV-2-Infektionen hat die Stadtbücherei Frankfurt am Main sämtliche Präsenzveranstaltungen in ihren Räumen bis einschließlich April 2022 abgesagt. Der Förderverein PRO LESEN präsentiert deswegen die geplanten Lesungen lediglich als Dokumentationen. Den Anfang macht Gert Loschütz‘ Roman „Besichtigung eines Unglücks“.

 

Kommentiert

Frankfurter Advents-Utopie 2021

Ein Feuer anzünden auf Erden

 

 

Jahr um Jahr eröffnet der amtierende Oberbürgermeister oder die amtierende Oberbürgermeisterin den Frankfurter Weihnachtsmarkt – nicht selten bereits vor dem Ersten Advent (der zaghafte Protest der Kirchen wird wie üblich weggelächelt oder völlig ignoriert). Vier Wochen lang bieten Verkaufsstände auf dem Römerberg Glühwein, Bratwurst, Lebkuchen und andere Delikatessen für das kleinbürgerliche Geschmackserlebnis an. Und so wie alle Jahre wieder gerät die Legende um die Geburt des jüdischen Erweckungspredigers Jesus unter die Mühlen des Konsums und ertrinkt in diversen Alkoholräuschen.
 

Dabei hätten die politisch Verantwortlichen dieser Stadt allen Anlass, sich eines Abschnitts aus der Weihnachtserzählung besonders anzunehmen. Nämlich jener Passage, welche die Suche nach einer Herberge schildert. Maria, Josef und Jesus landen in einer Notunterkunft, einem Stall. An dieser Stelle enthält die Legende realistische Bezüge zur sozialen Situation Frankfurts. Die Suche nach einer Wohnung, die mehr ist als ein Viehstall und trotzdem für Normalverdiener bezahlbar bleibt, treibt Tausende in dieser Stadt um. Warum nicht in der gesamten Adventszeit eine Aufklärungsaktion vor dem Römer organisieren und in einer Zeltstadt über die Verursacher der Wohnungsnot informieren? Über die Immobilienspekulanten, die Geldwäscher, die Wohnungskonzerne und nicht zuletzt über deren Lobbyisten, die ständig in das Rathaus einfallen. Nicht zu vergessen ihre Gesprächspartner in Stadtverordnetenversammlung und Magistrat.
 

Die sogenannte Weihnachtsgeschichte ist im Evangelium des Lukas enthalten. Wer einige Seiten weiterblättert, findet eine Textstelle, die sich als Motto für die inhaltliche Neuausrichtung von Weihnachtsmärkten besonders eignet:
 

„Ich bin gekommen, dass ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, es würde bereits brennen! ….Meinet ihr, dass ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht“ (Lukas 12, Verse 49 und 51).
 

Im Evangelium des Markus, dem ältesten der vier Evangelien, heißt es: „Und sie entsetzten sich über seine Lehre“ (Markus 1, Vers 22). Ein solches Entsetzen inmitten der synthetischen Wohlfühlgesellschaft tut not, nicht zuletzt während der Adventszeit und an Weihnachten. Abgesehen davon, dass die katastrophale Entwicklung der Covid-19-Inzidenz ein zusätzlicher Anlass wäre, keine Rücksicht mehr auf Rücksichtslose zu nehmen und sie öffentlich zu entlarven.
 

In diesem Sinn versteht sich auch mein Gedicht, das mir aus der Feder floss, nachdem ich mir an einem Dezembertag (drei Jahre vor Corona) einen Fluchtweg durch das vorweihnachtlich-verminte Gelände rum um den Frankfurter Römerberg hatte bahnen müssen. Sie finden es in der BRÜCKE unter dem MAIN unter diesem Link: https://www.bruecke-unter-dem-main.de/archiv-literatur-und-kultur-detail/frankfurter-advents-utopie.

 

Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen, vor allem nicht von Politikern, die sich als Weihnachtsmänner verkleidet haben. Und auch nicht von Ampelkönig Olaf und seiner Tafelrunde aus roten, gelben und grünen Karrieristen.

 

Ihr Klaus Philipp Mertens