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Die PRO LESEN - Themenwoche im Januar 2019

78. PRO LESEN – Themenwoche
21. - 26. 01.2019
im Bibliothekszentrum Sachsenhausen
(Buchausstellung und Donnerstagabendlesung)

Hetze
Rechte Publizisten und Schriftsteller contra Demokratie

 

Donnerstagabendlesung mit Publikumsgespräch am 24. Januar,
19:00 - 20:30 Uhr:
Der Wutbürger Uwe Tellkamp und der Aufklärer Martin Walser
Eintritt frei

 

Der Jargon von Gangstern

 

Liebe Leserinnen und Leser,
sehr geehrte Damen und Herren,
 

Der Sprachwissenschaftler Heinrich Detering hat sich unlängst mit Semantik und Syntax der Sprache von Alexander Gauland und Bernd Höcke, also der sichtbaren Spitze jener faschistischen Verschwörung, die sich AfD nennt, beschäftigt. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die zwischen 1945 und 1948 erschienene Artikelserie „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ von Dolf Sternberger, Gerhard Storz und Wilhelm E. Süskind, die sich mit der Sprache der Nationalsozialisten befasste (Buchausgabe 1957). Ebenso erwähnt er Victor Klemperers „LTI (Lingua Tertii Imperii) – Notizbuch eines Philologen“, das 1947 veröffentlicht wurde. Ein Vergleich der Phrasen von Josef Goebbels mit denen von Alexander Gauland, Björn Höcke und Alice Weidel zeigt, dass sich im Zuge einer vermeintlichen Siegesgewissheit die „Führer“ einer faschistischen Bewegung schon bald derselben Sprache bedienen wie ihre Schlägertrupps auf der Straße. „Gaulands Sprache ist der Jargon von Gangstern.“

Die PRO LESEN-Themenwoche im Januar widmet sich dieser undemokratischen Sprache und dem Nicht-Denken, das sie hervorbringt, sowie ebenso denen, die sie gebrauchen und im eigenen kalkulierten Interesse verbreiten. Wir machen das an einem Beispielen fest: Nämlich an dem Schriftsteller Uwe Tellkamp: Der Träger des Deutschen Buchpreises fühlt sich in Deutschland missverstanden, wettert gegen eine "Mainstream-Presse", die keine anderen Meinungen zulasse. Damit sei Tellkamp zum "literarischen Wortführer eines ostdeutschen Freund-Feind-Denkens geworden", urteilte das "Börsenblatt für den deutschen Buchhandel".
Und wir verweisen auf einen Aufklärer, auf Martin Walser, der sich in seinem 1996 erschienenen Roman "Finks Krieg" mit Alexander Gauland auseinandersetzte und ein Psychogramm dieses Politikers entwarf. Gauland gehörte damals noch der CDU an, war von 1987 bis 1991 Staatssekretär gewesen und hatte die Hessische Staatskanzlei geleitet (unter Ministerpräsident Walter Wallmann). In dieser Funktion versetzte er den Leitenden Ministerialrat Rudolf Wirtz (SPD), der für die Verbindung zu den Kirchen und Religionsgemeinschaften zuständig war, um ihn durch seinen Parteifreund Wolfgang Egerter, einen Vertreter des extrem rechten Flügels der CDU, zu ersetzen. Als Grund für die Versetzung nannte Gauland eine angebliche Kritik aus den Kirchen sowohl an Wirtz‘ Amtsführung als auch an dessen Person. Wirtz klagte dagegen vor den Verwaltungsgerichten, konnte sich jedoch nicht durchsetzen, weil Gauland eidesstattliche Versicherungen abgab, die sich später als falsch herausstellten. Die Vorgänge wurden als „Affäre Gauland“ bekannt.

Literatur erweist ihre Relevanz durch ihr Verhältnis zur Wirklichkeit. Das zwingt sie zum investigativen Schreiben bei gleichzeitiger Verpflichtung zu einer literarischen Sprache, die in Form und Ausdruck Bestand haben muss.

 

Bitte bleiben Sie neugierig, kritisch und uns gewogen
Klaus Philipp Mertens