Einzelartikel aus „https://bruecke-unter-dem-main.de - Frankfurter Netzzeitschrift“

Archiv "Vom Geist der Zeit" | Gesellschaft und Politik

Dilettantismus gepaart mit Unfähigkeit

Mit welchen Zeitvorgaben man in Frankfurt eine Brücke baut

Im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen muss eine Eisenbahnbrücke neu gebaut werden. Sie führt über die Mörfelder Landstraße, einer Ein- und Ausfallstraße für den Frankfurter Süden. Künftig soll sie auch Fußgängern und Radfahrern den notwendigen Raum geben. Folglich wird sie breiter sein als die bisherigen 16 Meter, laut Projektkarte dürften es ca. 22 Meter werden. Der Straßenabschnitt wird gesperrt. Und zwar für eine Bauzeit von drei Jahren. 

 

Vor 125 Jahren, am 1. März 1901, nahm die Schwebebahn über der Wupper ihren Betrieb auf. Für die ca. 13 km lange Strecke von Oberbarmen über Barmen und Elberfeld bis Vohwinkel (heute Teile der 1929 gegründeten Stadt Wuppertal), auf der 470 Stützgerüste unterschiedlicher Größe und Technik und 22 Bahnhöfe sowie komplexe Fahrschienenträger errichtet werden mussten, bedurfte es ebenfalls einer Bauzeit von drei Jahren. Die Bauarbeiter und Techniker in Wuppertal schafften seinerzeit durchschnittlich 4.332 Meter Strecke pro Jahr. Das Frankfurter Straßenverkehrsamt und die DB bewältigen bei ihrem relativ kleinen Brückenprojekt pro Jahr ca. 7,50 Meter. 

 

Da man, wie in Frankfurt üblich, großzügig plant, wird zeitgleich zum Brückenabriss und -neubau, wenn auch nur für zwei Wochen, an der Isenburger Schneise gewerkelt. Dort kam es bereits zu größeren Staus. Vor amtlichen Schätzungen über die Dauer der Baumaßnahmen ist mithin Vorsicht geboten. Ich erinnere an den Holbein-Kreisel oder die Tram-Bahnsteige in der Textorstraße.

 

Da die Federführung für den Straßenbereich beim grünen Verkehrsdezernat liegt, ist mit begleitenden ideologischen Maßnahmen zu rechnen. Nach Einschätzung von Insidern werden zunächst grüne Frauen ein Modell der Anlage stricken und es öffentlich ausstellen. Eine Initiative grüner Feministinnen soll dem Vernehmen nach die Namen von Straßen und Plätzen im Baugebiet im Sinn einer Gender-Sprachregelung umbenennen. Auch die generelle Verwendung des Partizip Präsens für alle aktiv und passiv Beteiligten wird erwogen (Mitarbeitende anstatt der grammatikalisch korrekten Mitarbeiter etc.). Doch Ideologie braucht Zeit. Allerdings hat man diese eigentlich nicht.

 

Klaus Philipp Mertens