Einzelartikel aus „https://bruecke-unter-dem-main.de - Frankfurter Netzzeitschrift“

Archiv "Vom Geist der Zeit" | Gesellschaft und Politik

Die Zeichen stehen auf Ächtung der Populisten

Nach den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen formieren sich erste Bürgeraktionen

© KWDA

 

Schluss mit den Erklärungsversuchen über die Wahlerfolge der AfD. Denn solche laufen auf die Rechtfertigung antidemokratischer Verhaltensweisen hinaus. Altbundespräsident Gauck mühte sich in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ um Deutungen. Ein Drittel der Ostdeutschen sei verunsichert angesichts technologischer und wirtschaftlicher Veränderungen sowie globaler Vernetzungen. Die Menschen suchten nach einem Halt und idealisierten dabei frühere Verhältnisse, auch die in der DDR. Die AfD verspräche ihnen indirekt eine Rückkehr in die verlorene Heimat. Und offeriere einen autoritären Staat, der auch typische Merkmale des überwundenen Sowjetsystems aufweise.

 

Wenn man die Wähleranalysen liest, fällt der Anteil junger Erwachsener auf, der für die AfD und für das BSW votierte. Handelt es sich um eine Neuauflage der einst von Karl Marx kritisierten „passiven Verfaulung der untersten Schichten der Gesellschaft“, die er als „Lumpenproletariat“ bezeichnete? „Das Lumpenproletariat“, so schrieb er, „dieser Abhub der verkommenen Subjekte aller Klassen, ist von allen möglichen Bundesgenossen [der Arbeiterschaft] der schlimmste. Dies Gesindel ist absolut käuflich und absolut zudringlich.“
 

Wenn man das Phänomen mit der kritischen Lupe des 21. Jahrhunderts analysiert, wird man schnell sämtliche Illusionen verlieren. Die von Marx postulierten und von der Gegenwart fortgeschriebenen Eigenschaften treffen sowohl auf die AfD als auch auf das BSW zu. Denn junge Leute, die allem Anschein nach von ihren Eltern und den Schulen weder ein kritisches Bewusstsein noch ethische Werte vermittelt bekamen, laufen Rattenfängern hinterher. Deren politische Forderungen sind mit den ureigensten Interessen einer jungen Generation völlig unvereinbar. Die jungen Abgehängten erblicken ihre Zukunft in jener verlorenen Heimat, welche die AfD ihrer Klientel zurückerobern will. Diese präferiert den Zustand einer Gesellschaft, die ihren Weg in die Moderne entweder noch nicht gefunden oder bereits wieder verloren hat. Der rechte und linke Populismus ist der Aufschrei der Manipulierten und Randständigen, die sich intellektuell längst aus dem Diskurs der Demokraten verabschiedet haben. Die rechtsextreme AfD und das konterrevolutionäre BSW propagieren insbesondere der Jugend den Geist geistloser Zustände. Dieses Opiat ist billig, aber verhängnisvoll. Es schafft keine Mitgestalter, sondern Mitläufer und letztlich Verlierer.
 

Es ist nicht davon auszugehen, dass mit der AfD und möglicherweise auch mit dem BSW jemals ein Dialog möglich sein wird. Darum ist der Kampf gegen sie dort zu führen, wo es existenziell weh tut. Nämlich um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den blauen Zonen, welche besonders viele Extremisten hervorbringen.
Im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika bewährte sich ein Warenboykott. Die EU kennzeichnet Waren von illegalen israelischen Siedlern aus dem Westjordanland. Die wirtschaftliche Isolierung des aggressiven Russlands erweist sich als durchaus erfolgreich. Bereits nach den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen bildeten sich erste Bürgeraktionen. Beispielsweise die KWDA - Keine Waren und Dienstleistungen aus AfD-Hochburgen. Aktivisten erstellen zurzeit Listen mit den Produkten, die von Demokraten in West und Ost nicht mehr gekauft werden sollten. Wir werden an dieser Stelle über die bürgerschaftlichen Aktionen weiter berichten.

 

Klaus Philipp Mertens