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Archiv "Vom Geist der Zeit" | Gesellschaft und Politik

Devote Fernverbeugung vor dem Aggressor in Moskau

AfD und BSW bleiben Präsident Selenskyjs Rede im Deutschen Bundestag fern

Es war zu erwarten, dass Putin Gegenleistungen fordern würde für seine mediale Unterstützung von AfD und BSW. Nach der Europawahl, deren Ergebnis den Vorstellungen Moskaus entgegenkommt, hat die Zeit der Kompensationen begonnen. Auftakt für eine Reihe von devoten Verbeugungen vor dem Kreml-Diktator war das Fernbleiben bei Selenskyjs Rede im Deutschen Bundestag.
 

Dieser Vorgang zeigt, was mit den Appellen beider Parteien zur Aufnahme von Friedensverhandlungen tatsächlich gemeint sein dürfte. Nämlich das Wegsehen des Westens, wenn sich Russland weiterhin über geschlossene Verträge (z. B. das Budapester Memorandum von 1994 und das Minsker Abkommen von 2014) hinwegsetzt, die zivile Infrastruktur der Ukraine systematisch vernichtet, Zivilisten zu militärischen Zielen erklärt, Oppositionelle des eigenen Landes vergiftet und einkerkert (Nawalny) sowie sich an die Seite anderer totalitärer Systeme und Bewegungen stellt (Iran, Syrien, Hisbollah, Hamas).
 

Die sich patriotisch gebende AfD offenbart, dass sie bewusst gegen die Lebensinteressen Deutschlands und Westeuropas handelt. Die fundamentalistische Gruppe, die sich von der Linken abspaltete und sich „Bündnis Sahra Wagenknecht“ nennt, ruft den Eindruck hervor, zumindest Ostdeutschland für den Einfluss Putins öffnen zu wollen.

 

Es sollte einem aufgeklärten Staatsbürger leichtfallen, die Absurdität dieser rechts- und linksextremen Überzeugungen zu durchschauen. Dass dies ausgerechnet einem nennenswerten Teil der Heranwachsenden, darunter vielen Erstwählern, anscheinend nicht gelingt, ist ein weiterer Beweis für das Versagen unseres Bildungssystems. Es ist nicht allein TikTok, es ist die in Elternhäusern und Schulen grassierende Bildungsferne, die in die Fangarme autoritärer Parteien führt.

 

 

Frederik Derné