Das kritische Tagebuch

Sahra, Führerin des Lumpenproletariats

Nach der Gründung der BSW

© Deutschlandfunk

Eine „LINKE 2.0“ ist Sahra Wagenknechts Partei sicherlich nicht. Denn bei ihr sollen politisch heimatlos gewordene Kleinbürger zu stolzen deutschen Sozialisten, aber ohne revolutionäre Absichten, zusammenwachsen.

 

Davor hatten Karl Marx und Friedrich Engels bereits in ihrem „Kommunistischen Manifest“ 1848 gewarnt. Sie warfen den „wahren Sozialisten“ vor, das „Interesse der deutschen Pfahlbürgerschaft“ zu verfolgen. Ihnen ginge es um „die Erhaltung der bestehenden Zustände ... Von der industriellen und politischen Bourgeoisie [erwarteten sie] den sicheren Untergang, einerseits infolge der Konzentration des Kapitals, andererseits durch das Aufkommen eines revolutionären Proletariats“.

 

Und die beiden roten Großväter entlarvten treffend die auf Äußerlichkeiten reduzierten Inhalte: „Das Gewand, gewirkt aus spekulativem Spinnweb, überstickt mit schöngeistigen Redeblumen, durchtränkt von liebesschwülem Gemütstau, dies überschwängliche Gewand, worin die deutschen Sozialisten ihre paar knöchernen ewigen Wahrheiten einhüllen…[also] proklamieren [sie] die deutsche Nation als die normale Nation und den deutschen Spießbürger als den Normalmenschen.“

 

Ihre Nachfolger in der BSW sind ähnlich autoritätshörig (vor allem gegenüber Putins Russland), wollen, da sie Fremde und Intellektuelle fürchten, unter sich bleiben. Sie würden sogar der überfallenen Ukraine die Waffen zur Notwehr entreißen und verwechseln Frieden mit der Friedhofsruhe nach einem totalen Krieg. Das Gendern verwerfen sie aus ähnlichen Gründen, mit denen dessen glühendste Verfechter es befürworten, nämlich aus Unkenntnis über die deutsche Grammatik.

 

Im „Manifest“ bezeichnet Marx subproletarische, also nicht klassenbewusste Gruppen der Arbeiterschaft als „passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft“ und stellt sie auf eine Stufe mit den „deutschen Sozialisten“. Parallel dazu schuf er den Begriff „Lumpenproletariat“, das er als unzuverlässig, passiv und reaktionär beschrieb. Dass sich einmal jemand an die Spitze einer solchen Sammlung stellen könnte, gar eine deutsche Jeanne d‘Arc, hat er nicht erwartet.
Doch tatsächlich ist jemand aufgestanden: Sahra, die Führerin des Lumpenproletariats.

 

KPM