Buchtipp

Klasse und Kampf

In der reichen Bundesrepublik herrscht in Teilen eine soziale Ungleichheit wie zu Kaisers Zeiten

Schriftsteller melden sich zu Wort

(c) Claassen Verlag, Berlin

Der Schriftsteller Christian Baron und 13 weitere Autoren beschreiben die soziale Wirklichkeit der Bundesrepublik.

Was bedeutet es, in einem reichen Land in Armut aufzuwachsen? Zur „Unterschicht“ zu gehören und dafür ausgelacht und ausgegrenzt zu werden? Sich von seinem Herkunftsmilieu zu entfernen, aber die eigenen Wurzeln nicht verraten zu wollen? Und dennoch im neuen Milieu nie wirklich anzukommen?

Deutschland gibt sich gerne als ein Land, in dem Klasse unsichtbar ist. In dem die Chancen auf Bildung und Wohlstand für alle gleich sind. Klasse und Kampf räumt mit diesem Mythos auf. 14 Autoren schreiben in persönlichen Essays über Herkunft und Scham, über Privilegien und strukturelle Diskriminierung, über den Aufstieg und das Unwohlsein im neuen Milieu. Zusammen ergeben ihre Stimmen ein vielschichtiges Manifest von großer politischer Kraft.

Nach Meinung des Schriftstellers Christian Baron ("Ein Mann seiner Klasse") gewinnt die Klassenfrage wieder an Bedeutung – im gleichen Maße wie "die Sozialdemokratie aufgehört hat, sozialdemokratisch zu sein", der Neoliberalismus erstarkt sei und die sozialen Unterschiede sich verschärft hätten.

 

"Klasse ist ja eine Dimension, die als unsexy galt in den letzten Jahren", sagt Baron. "Und jetzt bricht da ganz langsam wieder etwas auf, gerade, weil wir in der Coronapandemie deutlicher merken: Diejenigen, die am härtesten getroffen werden – sowohl gesundheitlich als auch ökonomisch -, das sind diejenigen, die arm sind."

 

Der Schriftsteller ist Herausgeber der Anthologie "Klasse und Kampf", die Erzählungen und Essays von 14 Autorinnen und Autoren über Armut und Prekariat in der heutigen Zeit versammelt. Die Texte beschreiben, was es bedeutet, im Deutschland des 21. Jahrhunderts zur "Unterschicht" zu gehören und dafür ausgegrenzt zu werden. Sie thematisieren aber auch das Unbehagen, in ein anderes Milieu aufzurücken und sich darin nicht so recht zu Hause zu fühlen.

Auch Baron, der selbst in armen Verhältnissen aufgewachsen ist und aus der Pfalz stammt, ist mit einer Erzählung über eine Beerdigung in seiner Familie, die diese selbst nicht bezahlen kann, vertreten. Unter den anderen Autorinnen und Autoren sind prominente Namen wie Clemens Meyer, Sharon Dodua Otoo oder Lucy Fricke.

 

Die versammelten Texte wollen laut Baron "nicht zur Revolution aufrufen" oder agitatorisch die rote Fahne schwingen, sondern mit literarischen Mitteln auf ein großes Problem aufmerksam machen: "Wir haben soziale Unterschiede, die an die Zeiten des Kaiserreichs erinnern. Natürlich auf einem ganz anderen Niveau. Aber was die Unterschiede von Arm und Reich angeht, ist die Schere ähnlich weit aufgegangen. Und das ist für eine demokratische Gesellschaft, die im Grundgesetz stehen hat, dass sie ein sozialer Bundesstaat ist, ein absoluter Skandal."

"Klasse und Kampf", wünscht sich Baron, soll nachhaltig mit dem Mythos von der klassenlosen Gesellschaft aufräumen – und dadurch auch politische Kraft entwickeln.

 

Klasse und Kampf

Herausgegeben von Christian Baron und Maria Barankow
 

Mit Beiträgen von Christian Baron, Martin Becker, Bov Bjerg, Arno Frank, Lucy Fricke, Kübra Gümüsay, Schorsch Kamerun, Pinar Karabulut, Clemens Meyer, Katja Oskamp, Sharon Dodua Otoo, Francis Seeck, Anke Stelling, Olivia Wenzel.

 

Hardcover
ISBN: 9783546100250
Erschienen am 29.03.2021
Ladenpreis: € 20,00